Das Haus der jüdischen Familie Hattendorf

Schloßstraße 16, 26180 Rastede

Die Familie Hattendorf

Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kamen, gehörte das Wohnhaus in der Schloßstraße 91 (heute Nr. 16) der jüdischen Familie Hattendorf. Karl Hattendorf war zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt, seine Frau Klara war 62 Jahre alt. Sie betrieben eine Schlachterei mit Verkauf, die sich hinten am Wohnhaus befand. Bei ihnen wohnte die 27 Jahre alte Tochter Selma Hattendorf mit ihrem fünfjährigen Sohn Hinrich (genannt Henry). Selma war nicht die leibliche Tochter von Karl Hattendorf. Da ihr leiblicher Vater gemäß der nationalsozialistischen Rassenlehre als “Arier” galt, wurde Selma Hattendorf als “Halbjüdin” bezeichnet. Sie war in Rastede als Kontoristin (Bürokraft) bei der Grundstücks- und Hypothekenvermittlung angestellt.

Karl Calonimus Hattendorf

  • Geburtsdatum: 25. Februar 1870
  • Geburtsort: Osternburg/Oldenburg
  • Beruf: Schlachtermeister
  • verheiratet mit: Klara Hattendorf, geb. Cohn
  • Kind: Selma Henriette Hattendorf (Stieftochter)
  • Todesdatum: 13. August 1942
  • Todesort: KZ Theresienstadt

Klara Hattendorf, geb. Cohn

  • Geburtsdatum: 28. Januar 1871
  • Geburtsort: Rastede
  • Eltern: Abraham Cohn (Ritterhude) und Henriette Cohn (geb. Weiler, Varel)
  • verheiratet mit: Karl Hattendorf
  • Kind: Selma Henriette Hattendorf
  • Todesdatum: 18. Oktober 1942
  • Todesort: KZ Theresienstadt

Selma Henriette Hattendorf

  • Geburtsdatum: 24. Juni 1905
  • Geburtsort: Bremen
  • Beruf: Kontoristin
  • Eltern: Mutter Klara Hattendorf und Stiefvater Karl Hattendorf
  • leiblicher Vater: Kaufmann Hermann Rienitz aus Oldenburg (christl.)
  • Kind: Hinrich Ernst Hattendorf
  • Todesdatum: 1994
  • Todesort: Schwelm (Westfalen)

Hinrich Ernst Hattendorf

  • Geburtsdatum: 25. August 1927
  • Geburtsort: Köln
  • Mutter: Selma Henriette Hattendorf
  • Vater: Hinrich August Müller aus Südende/Rastede (christl.)
  • Todesdatum: 13. Juni 1986
  • Todesort: Schwelm (Westfalen)

Vahlenkamp, Werner: Von der Achtung zur Ächtung: Die Geschichte der Rasteder Juden. 1989, S. 59f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)

Nachlass von Selma Hattendorf

Das Leben der Familie Hattendorf bis 1933

Anzeige des Schlachters A. Cohn in der Lokalpresse aus dem Jahr 1876. Quelle: Nachrichten für Stadt und Land: Oldenburger Zeitung für Volk und Heimat (02.12.1876) 143. Oldenburg: Landesbibliothek Oldenburg 2018.

Klara Hattendorf wurde 1871 als Klara Cohn in Rastede geboren. Ihre Eltern Abraham und Henriette Cohn, geb. Weiler, waren im Jahr 1865 nach Rastede gezogen. Abraham Cohn stammte aus Ritterhude, in Rastede betrieb er eine eigene Schlachterei. Er verstarb im Jahr 1978.

Klara Cohn bekam im Juni 1905 eine Tochter, Selma. Der Vater, Kaufmann Hermann Rienitz aus Oldenburg, wurde zu Unterhaltszahlungen verurteilt. Im Jahr 1907 heiratete Klara Cohn den Schlachter Karl Hattendorf, der ursprünglich aus Osternburg stammte. Sie zogen in das neugebaute Wohnhaus in der Schloßstraße und führten dort die von Klaras Vater gegründete Schlachterei fort. Karl Hattendorf adoptierte Klaras Tochter Selma. Er trat in den Rasteder Turnverein und in den Kriegerverein ein. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurden auch die jüdischen Männer eingezogen. Während Karl Hattendorf als Soldat für Deutschland kämpfte, verstarb seine Schwiegermutter Henriette Cohn im Jahr 1918 in Rastede.

Familienanzeige nach dem Tod von Henriette Cohn im Jahr 1918. Quelle: Nachrichten für Stadt und Land 52 (18.3.1918) 76.

Selma Hattendorf besuchte die Rasteder Volksschule. Im Jahr 1920 wurde sie Mitglied im Rasteder Turnverein. Nach dem Schulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Kontoristin (Bürokraft). Danach arbeitete sie zunächst in Bremen und dann in Rastede. Erhalten ist unter anderem ein Arbeitszeugnis von der Firma Friedrich Hinrichs in Rastede aus dem Jahr 1925. Im August 1927 bekam Selma Hattendorf einen Sohn. Der Junge erhielt den Namen Hinrich – nach seinem Vater Hinrich August Müller aus Neusüdende.

Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch keine persönlichen Anfeindungen erfuhren, war der in den 1920-er Jahren stetig zunehmende Antisemitismus auch für die jüdischen Bewohner*innen der Gemeinde Rastede spürbar. Seit ihrer Gründung betrieb die NSDAP permanent Wahlkampf im Ammerland und hetzte dabei besonders gegen jüdische Menschen.

Ab 1930 wurde der Siegeszug der Partei Adolf Hitlers in Rastede von Sophie Charlotte von Oldenburg und ihrem Ehemann Harald von Hedemann maßgeblich vorangetrieben. Sie wohnten im Rasteder Palais in unmittelbarer Nähe von Familie Hattendorf. Sicherlich bekam auch Familie Hattendorf das Spektakel mit, dass sich im Mai 1932 in der Schloßstraße abspielte, als Adolf Hitler auf einer Propagandareise in Rastede Halt machte, und auf dem Weg vom Palais zum Oldenburger Hof von vielen Rasteder*innen bejubelt und mit Blumen beschenkt wurde.

Obwohl der Ton gegenüber den jüdischen Menschen ab 1930 wesentlich rauer war, konnte sich Karl Hattendorf zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, dass ihm und seiner Familie in Deutschland Gefahr drohen könnte. Er hatte für Deutschland im Krieg gekämpft, war sehr traditionsbewusst und national eingestellt. Als der Kriegerverein Anfang August 1932 eine Kyffhäuser-Mädchengruppe ins Leben rief, wurde Selma Hattendorf vorläufige Führerin. Zwar wendeten sich einzelne Bekannte von den Hattendorfs ab und eine Heirat zwischen Selma und dem Vater ihres Sohnes kam nicht zustande. Aber sie wurden keineswegs von allen geschnitten und ihre Schlachterei war bei den Rasteder*innen sehr beliebt. Als Karl und Klara Hattendorf am 28. August 1932 silberne Hochzeit feierten, schmückten ihre Nachbarn das Haus in der Schloßstraße. Bei einer Ehrenveranstaltung des Rasteder Turnvereins im November 1932 wurde auch Karl Hattendorf mit der silberenen Ehrennadel für langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.

Mitgliedsausweis des Rasteder Turnvereins für Selma Hattendorf, ausgestellt am 8. April 1920, Foto aus dem Archiv des VfL Rastede.
Ehepaar Klara und Karl Hattendorf im August 1932 anlässlich ihrer silbernen Hochzeit, Foto aus dem Nachlass von Selma Hattendorf.

Vahlenkamp, Werner: Von der Achtung zur Ächtung: Die Geschichte der Rasteder Juden. 1989, S. 12 und 59f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)

Nachlass von Selma Hattendorf

Nachrichten für Stadt und Land: Oldenburger Zeitung für Volk und Heimat. 66 (06.08.1932) 212, S. 7.
Online-Ausgabe: Landesbibliothek Oldenburg 2018, https://digital.lb-oldenburg.de/lbolrz/periodical/day/1916630?d=1932-08-06 (letzter Zugriff: 27.03.2026).

Nachrichten für Stadt und Land: Oldenburger Zeitung für Volk und Heimat. 66 (15.11.1932) 313, S. 15.
Online-Ausgabe: Landesbibliothek Oldenburg 2018, https://digital.lb-oldenburg.de/lbolrz/periodical/day/814453?d=1932-11-15 (letzter Zugriff: 27.03.2026).

Diskriminierung und Ausgrenzung ab 1933

Nach der Machtergreifung im März 1933 kam es auch in Rastede rasch zu Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Selma Hattendorf wurde mit Verweis auf ihre jüdische Abstammung zum 1. April 1933 gekündigt. Sie verlor ihre Anstellung bei der Grundstücks- und Hypothekenvermittlung, obwohl sie als Kontoristin keinen der Berufe ausübte, die jüdische Menschen aufgrund einer gesetztlichen Anordnung nicht mehr ausüben durften.

Im Zuge des sogenannten „Judenboykotts“ am 1. April 1933 wurde der Verkauf an der Schlachterei der Familie Hattendorf von SA-Männern umstellt, so dass sich niemand hinein traute. Ab diesem Zeitpunkt gingen die Verkäufe der Schlachterei rasch zurück, weil niemand mehr bei jüdischen Menschen kaufen wollte. Selma Hattendorf fand in Rastede keine Anstellung mehr. Nachdem sie etwa ein Jahr arbeitslos war, fand sie in Oldenburg in einem jüdischen Geschäft Arbeit als Verkäuferin.

Bereits im Frühjahr 1933 waren die sogenannten „Volljuden“ aus dem Rasteder Turnverein ausgeschlossen worden. Im Frühjahr 1934 folgte der Ausschluss der gemäß der jüdischen Rassenideologie als „Halbjüdin“ geltenden Selma Hattendorf.


Vahlenkamp, Werner: Von der Achtung zur Ächtung: Die Geschichte der Rasteder Juden. 1989, S. 30f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)

Nachlass von Selma Hattendorf

Verfolgung und Vertreibung

Bis 1938 waren fast alle jüdischen Menschen aus Rastede weggezogen, einige waren bereits ganz aus Deutschland geflohen. Karl und Klara Hattendorf hatten jedoch nicht genug Geld für eine Flucht. Inzwischen lebte die vierköpfige Familie von dem Gehalt, das die Tochter Selma als Verkäuferin verdiente. Die Schlachterei hatte Karl Hattendorf längst schließen müssen. Da sich die Situation für jüdische Menschen immer weiter verschärfte, trat Selma Hattendorf 1938 aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus.

Am 10. November 1938 wurden Karl und Klara Hattendorf anlässlich der Reichspogromnacht von SA-Männern verhaftet. Karl wurde morgens abgeholt und zusammen mit vielen anderen Juden aus der Region über das Oldenburger Gerichtsgefängnis ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Klara Hattendorf wurde etwas später ebenfalls verhaftet. Während sie am selben Tag wieder nach Hause konnte, wurde Karl Hattendorf für zwei Wochen in Sachsenhausen interniert. Nach seiner Freilassung sah man ihm deutlich an, was er durchlitten hatte. Aus Angst vor den Folgen für sich und seine Familie sprach er jedoch nie darüber, was ihm im KZ passiert war.

Im Jahr 1940 wurde das Ammerland “judenfrei” gemacht. Die noch verbliebenen jüdischen Bürger*innen der Gemeinde Rastede wurden nach Hamburg ausgewiesen. Ihr Eigentum mussten sie “abtreten”, um einen Platz in einem heruntergekommenen Massenquartier zu erhalten. Selma Hattendorf begleitete ihre Eltern am 5. Mai 1940 zum Bahnhof. Am folgenden Tag musste sie Rastede ebenfalls verlassen. Weil sie als “Halbjüdin” galt, durfte sie mit ihrem zwölf Jahre alten Sohn Hinrich (Henry) nach Westfalen ziehen, wo sie Bekannte hatte.


Vahlenkamp, Werner: Von der Achtung zur Ächtung: Die Geschichte der Rasteder Juden. 1989, S. 45f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)

Nachlass von Selma Hattendorf

Erinnerungen der Zeitzeugin Frau Lehners aus Rastede

Karl und Klara Hattendorf lebten in dem Wohnhaus in der Rasteder Schloßstraße, welches heute die Hausnummer 16 hat. Frau Lehners aus Rastede wohnte mit ihren Eltern im Haus nebenan. Sie berichtet, dass sich neben dem Wohnhaus der Hattendorfs die Schlachterei mit Verkaufsladen befand. Frau Lehners spielte als Kind oft mit Selmas Sohn Henry. Sie erinnert sich, dass sie dabei von den Eltern ermahnt wurden: “Spielt lieber in der Werkstatt, nicht draußen.” Die Hattendorfs wollten möglichst unauffällig bleiben, auch Henry sollte nicht gesehen werden. Als die Hattendorfs dann eines Tages verschwunden waren, erfuhr Frau Lehners von den Eltern nur: “Die sind abgeholt worden.” Ansonsten wurde nicht darüber gesprochen. Sie habe als Kind aufgrund des Tonfalls der Eltern und anhand der Stimmung gemerkt, dass sie dazu keine Fragen stellen und nicht darüber sprechen dürfe.

Deportation und Ermordung von Karl und Klara Hattendorf

Im Sommer 1942 wurden die jüdischen Menschen aus Hamburg “in den Osten” deportiert. Dass sie genau wussten, dass ihnen dort der Tod bevorsteht, wird in dem letzten Brief von Klara Hattendorf an ihre Tochter Selma deutlich.

Hamburg, d. 10.7.42.

Meine liebe Selma!

In aller Eile teile ich Dir l. S.
mit, daß heute ein großer
Transport weg kommt und
nächste Woche Mittwoch und
Sonnabend wieder, also da sind
wir auch wohl dabei. Wenn

wir uns noch einmal sehn
wollen und den letzten Kuß
und Händedruck geben wollen,
dann müßt Ihr die ersten
Tage schon kommen, muß
mal sehn, ob Ihr vielleicht
ein paar Tage Urlaub bekom
men könnt, alsdann werden
die Tage von den anderen
Tagen abgerechnet. Es ist hier
eine große Aufregung.

Wenn Du l. Selma Butter
u. Zucker bekommen kannst
würde ich mich sehr freuen,
damit wir etwas mitnehmen
können. Also ich habe nicht
viel Zeit, und nehmet, bis
wir uns Wiedersehn herzl.
Grüße u. Küsse von uns
Beiden, besonders von


Deiner Mutter

Grüße bitte alle
Bekannte herzl. von mir.
Kannst auch verschiedene Sachen

mitnehmen, die wir
alle hier lassen müssen.

Dass Klara ihre Tochter in dem Brief um Butter und Zucker bat, zeigt, dass die Hattendorfs in Hamburg nicht genug zu essen hatten. Die jüdischen Menschen litten Hunger und waren schon vor der Deportation geschwächt. Am 19. Juli 1942 wurden Karl und Klara Hattendorf ins KZ Theresienstadt deportiert. Karl starb am 13. August 1942, Klara am 18. Oktober 1942. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie wie viele andere ältere Menschen im KZ Theresienstadt an Hunger und Schwäche zugrunde gegangen sind.

Der letzte Brief von Klara Hattendorf an ihre Tochter Selma – vorgelesen von Geli Wald.

Vahlenkamp, Werner: Von der Achtung zur Ächtung: Die Geschichte der Rasteder Juden. 1989, S. 46f. (Das Buch kann in der Gemeindebücherei Rastede ausgeliehen werden.)

Nachlass von Selma Hattendorf

Zwangsarbeit und Internierung von Selma Hattendorf

Selma Hattendorf lebte seit 1940 mit ihrem Sohn Hinrich (Henry) in Schwelm in Westfalen und arbeitete dort als Verkäuferin. Im Juli 1943 wurde sie auf behördliche Weisung aus ihrer Arbeitsstelle entfernt und musste in einer einer Altpapier-Großhandlung in Dortmund Zwangsarbeit leisten. Außerdem musste sie den sogenannten Judenstern tragen. Das Abzeichen aus gelbem Stoff in Form eines sechseckigen Sterns mit der Aufschrift “Jude” mussten alle Menschen jüdischer Herkunft gut sichtbar an ihrer Kleindung befestigen, damit sie sofort als solche erkennbar waren.

Passfoto von Selma Hattendorf aus der persönlichen „Kennkarte“, Typ „J“ (für Jude), des Deutschen Reichs, ausgestellt 1943 von der Polizei Schwelm. Quelle: Nachlass von Selma Hattendorf
Foto von einem “Judenstern” aus dem Nachlass von Selma Hattendorf. Quelle: Nachlass von Selma Hattendorf.

Im September 1944 wurde Selma Hattendorf in ein Arbeitslager in Kassel-Bettenhausen eingewiesen. Hinrich (Henry) kam währenddessen in ein Heim. Am 22. April 1945 wurde das Lager durch einrückende US-Amerikaner befreit. Selma Hattendorf heiratete 1951 Walter Cäsar und bis zu Ihrem Tod im Jahr 1994 in Schwelm.

Zum Nachlass von Selma Hattendorf gehört auch ein gerahmtes Foto von ihrer Mutter Klara Hattendorf mit einer Abschrift des Gedichtes “Meine Mutter starb in Theresienstadt” von Walter Maas.


Nachlass von Selma Hattendorf

Meine Mutter starb in Theresienstadt

von Walter Maas

Des Hauptes Schnee wob um dich einen hellen Schein
In jener Stunde, da wir von dir schieden.
Und unsre zagen Herzen hüllt er tröstend ein,
Die wir voll Scheu den Blick auf deine Schmerzen mieden.

Du riefst nach uns, du zehrtest noch vom Hoffen,
Dass Menschenbrust erfüllt, solang sie atmet – lebt,
Du sahst voll Zuversicht die Tore offen,
Vor deren Anblick du im Innersten erbebt.

Wir haben diesen Schein in uns getragen,
der an dem schwachen, gebeugten Leibe niederfloss,
Seit jenen schweren, trauervollen Tagen,
da sich die Türe zwischen uns für immer schloss.

Du gingest hindurch, wenn auch die Riegel unbeweglich standen,
Als deine zarte Hülle, die du trugst, verging,
Dein Geist sich endlich löste aus den Banden
Der gnadenlosen Henker. – Da geschah’s dass dich empfing

Der Friede, den nur Gott schenkt seinem Kinde!
Dein Grab? Die Asche verstreuten sie in alle Winde.

Meine Mutter starb in Theresienstadt” – Gedichtvortrag von Geli Wald.

Das Haus in der Schloßstraße 16

Frau Lehners aus Rastede stellte Information über das ehemalige Wohnhaus der Familie Hattendorf in der Schloßstraße zur Verfügung. Diese wurden von Charlotte Uhlhorn-Bölts im Juni 2010 aus dem Brandkassenregister der Gemeinde Rastede und anderen Quellen zusammengestellt. Demzufolge wurde das Haus 1907 erbaut und gehörte der Familie Cohn. Ab 1918 gehörte das Haus Karl und Klara Hattendorf. Im Jahr 1942 hieß der neue Eigentümer von Nethen. 1953 musste das Haus an die Familie zurückgegeben werden. Die Tochter Selma, die inzwischen geheiratet hatte und mit Nachnamen Cäsar hieß, verkaufte das Haus 1954 an Karl Schulz, der dort ein Versicherungsbüro führte. Heute wird es wieder als Wohnhaus genutzt.

Am 9. Februar 2026 hat der Künstler Gunter Demnig vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Hattendorf Stolpersteine zum Gedenken an die Familienmitglieder verlegt. Es handelt sich um die ersten vier Stolpersteine in der Gemeinde Rastede. Fotos von der feierlichen Stolpersteinverlegung können auf der Webseite des Vereins “Stolpersteine Rastede e.V.” eingesehen werden.

Das Wohnhaus in der Schloßstraße 16 im Jahr 2024. Die Schlachterei war in den Anbauten hinter dem Haus. Foto: privat.
Stolpersteine im Fußweg vor dem ehemaligen Wohnhaus im Februar 2026. Foto: privat.